Bist du Migrant? Bereite dich auf den Arbeitsmarkt vor!

Bist du Migrant? Frisch aus der Uni? Bist du auf der Suche nach einem Job? Findest du keinen?

Wie bewegt sich der Arbeitsmarkt und wie schaut es für MigrantInnen aus?

Die Konkurrenz steigt. Jährlich kommen zwischen 20.000- 25.000 mehr Menschen nach Wien. Es sind nicht nur MigrantInnen sondern auch inländische MigrantInnen, die die Chancen in der großen Stadt suchen.

Wir alle wollen einen guten Arbeitsplatz. Aber was heißt das genau für Migrantinnen und Migranten? Als ich 2012 in Bildungskarenz ging, war ich voller Freude und Hoffnung für die Zukunft. Ich konnte mich weiterbilden und gleichzeitig nachdenken was ich beruflich weiter machen möchte. Ein Jahr später wollte ich mich also umorientieren und neue Herausforderungen annehmen, somit habe ich meinen Job gekündigt und so begann meine Suche nach Arbeitsstellen. Auf diesem Weg wurde ich aber gleichzeitig mit einer unerwarteten Perspektive auch betroffen: die, der Selbstständigkeit. Obwohl ich nicht wusste dass ich es in mir hatte, der Impact Hub Vienna war und ist dafür der richtige Partner um herauszufinden was du kannst und was du willst. Sie bieten nicht nur ein Co-Working Space, sondern auch Workshops, Programme, und Expertise um eine Geschäftsidee zu starten oder umzusetzen.

Aber zurück zum Thema. Als ich mich auf der Suche nach Jobs gemacht habe, war das ziemlich schwierig. Obwohl ich gut ausgebildet war, eine gute Arbeitserfahrung als Export Managerin hatte, war es ziemlich schwer sogar zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Oft war es so, dass ich mich bei dem Unternehmen selber melden musste weil nicht mal eine Absage kam. Zusätzlich zeigen Studien an, dass Ausländer nicht gleichgestellt werden und wir kommen erst dran wenn es keine anderen Kandidaten gefunden wurden. Gleichzeitig, wurde es bewiesen, dass AusländerInnen eine Absage schneller mitgeteilt wird (wenn sie mitgeteilt wird) als ÖsterreicherInnen und auf Zusagen wartet man länger als einen Einheimischen (IHS, 0213). Diskriminierung wegen der Herkunft ist also präsent und keine Neuigkeit. Ich habe innerhalb 8 Monaten an die 60 Bewerbungen geschrieben und bekam daraus 2 Interviews. Diese waren dann auch ohne Erfolg. Aber dieser Blog ist nicht dafür um dich zu deprimieren, sondern um dich auf die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt vorzubereiten. Also, was habe ich aus meinen 8 Monaten Arbeitssuche gelernt?

  1. Zuerst, wenn du noch keinen Job gefunden hast, musst du dir folgendes sagen: Es liegt nicht an dir. Du bist nicht dumm und du bist nicht unerwünscht. Deine Fähigkeiten und Erfahrungen sind gut.
  2. Wenn du Frau und über 30 bist, schreibe weder, dass du verheiratet bist noch dein Geburtsdatum in dein Lebenslauf. Ich habe gemerkt, dass es zum Verhängnis wird. Obwohl ich gedacht habe, dass es an meinen Migrationshintergrund liegen könnte, lag ich falsch. Es war eher die Tatsache, dass mein Alter drinnen angeführt war und, dass ich verheiratet war. Das hat mich für Unternehmen unattraktiv gemacht. Unternehmen denken ich will bald Kinder haben. Ich bin somit als hohes Risiko zum Einstufen. Ich habe sogar meinen damaligen Mentor gefragt. Er arbeitet in einem großen Konzern und ich habe ihn gebeten sich in die Situation des Arbeitgebers zu versetzen und sich ehrlich zu fragen ob er aus 2 gleichen Lebensläufen mich aussuchen würde, statt einem Mann bzw. statt einer Person, die junger und ledig war. Er gab zu, eine 32 jährige Frau, verheiratet, ohne Kinder – das ist nicht von Vorteil. Eine Benachteiligung erfolgt also meist unbewusst, aber dann bewusst, weil die Entscheidung in dem Auswahlverfahren getroffen werden muss.
  3. Es ist nicht dein Migrationshintergrund. Zumindest nicht immer… Und wenn es ist, dann willst du dort sowieso nicht arbeiten. Schau auf der Charta der Vielfalt von WKO nach und suche nach Unternehmen, die sich dort registriert haben. Diese sind welche die, die Vielfalt im Unternehmen als Erfolgsfaktor zu schätzen wissen.
  4. Nach 3 Monaten ohne Erfolg, fängst du an, vielleicht an dir zu zweifeln. Tue es nicht! Was sollst du stattdessen tun? Aktiv netzwerken. Suche heraus was du am meisten tun willst und suche nach Veranstaltungen dieser Art. Du weißt nicht was du gern arbeiten würdest? Dann schau auf www.whatchado.com und lass dich von anderen ArbeitnehmerInnen inspirieren. Viele, die ihre Jobs machen, kommen meist nicht aus der Branche, wofür sie sich vorher ausgebildet haben. Also, deine Ausbildung ist nicht immer die Voraussetzung um einen Job gut machen zu können.
  5. Die Deutsche Sprache als Voraussetzung habe ich nicht angeführt, obwohl ich damit beim Punkt 1 anfangen hätte sollen. Das habe ich nicht gemacht weil ich die Sprache als selbstverständlich verstehe. Ist dein Deutsch nicht perfekt? Dann ran an die Arbeit. Du musst sie gut beherrschen. Und mit “gut” meine ich meist perfekt :).
  6. Du sprichst Deutsch mit Akzent? Na ja, das kann man nicht ändern. Ich weiss, das ist für Jobs in Marketing oder Verkauf nicht immer gewünscht. Aber, du hast einen Akzent, ja und? Du sprichst perfektes Deutsch! Gratuliere! Jetzt musst du dich ins Zeug setzen und beim Vorstellungsgespräch deine Fähigkeiten in den Vordergrund bringen und sie davon richtig überzeugen!
  7. Unbedingt, vor einem Vorstellungsgespräch denke an 3 deiner Schwächen und 3 Stärken. Das kann sonst zum Verhängnis werden. Es ist easy die Stärken spontan zu nennen, aber die Schwächen willst du sie üben. Denn du musst wissen welche Schwächen du nennen sollst, damit es nicht zum Verhängnis wird. Ein Beispiel? Überpünktlichkeit. Mann würde es vielleicht als Stärke sehen, was gut ist, aber du kannst es so drehen, dass es für dich eine „Schwäche“ wäre und, dass du meist 30 Minuten in voraus bei einem Termin schon vor der Tür steht. Damit sagst du aus, dass du dich gerne für Zwischenfälle, wie U-Bahn Ausfall vorbereitest, aber es ist eher eine Schwäche für dich weil du viel wertvolle Zeit mit Warten verbringst. Der Arbeitgeber würde das als Stärke sehen und ist froh, dass du Termine ernst nimmst und dass man sich auf deine Pünktlichkeit verlassen kann.
  8. 6 Monaten später immer noch keinen Job? Bleib an Vernetzen dran. Das ist das meist wichtige aus dem Ganzen. Es gibt viele Netzwerke für Frauen, Männer, Netzwerke mit einem gewissen Fokus, usw. Google sie! Und vor allem, wenn du schon einen Job gefunden hast, solltest du dich trotzdem weiter vernetzen.! Das soll keine saisonale Tätigkeit werden. Das soll Teil deiner beruflichen Laufbahn werden!
  9. Besuche Veranstaltungen! Wenn du bei einer Veranstaltung zum Thema „Wirtschaftswachstum“ z. B sein willst, dann gibt es meist, wie bei jede andere Podiumsdiskussion auch Publikumsfragen. Bereite eine Frage vor. Aber nicht nur irgendeine, sondern eine die relevant, kritisch (konstruktiv kritisch) und interessant ist. Vergewissere dich, dass du dich mit dem Thema auch befasst hast und dich ein bisschen darin eingelesen hast, damit du auch glaubwürdig auftreten kannst. Was wird danach passieren? Die Menschen im Raum merken dich. Dort sind viele Angestellte und Arbeitgeber. Also, was du mit der Frage geschafft hast? Dich sichtbar zu machen und zu zeigen, dass du in dem Bereich etwas kannst und etwas machen willst. Die Menschen werden am Ende der Diskussion beim Netzwerken (meist gibt es anschließend auch 1 Stunde netzwerken) auf dich zukommen. Sie werden Visitenkarten haben. Frage sie danach. Sei aktiv und interessiere dich dafür.
  10. Suche dir ein/-e MentorIn aus! Recherchiere Unternehmen, die für dich interessant sind. Suche nach Menschen in dem Bereich, in dem du gerne arbeiten möchtest. Hast du eine interessante Person gefunden, die für deine persönliche und professionelle Entwicklung wichtig wäre? Dann schreibe sie an und rede sie hoch. Meist ist es so, dass sie sich für dein Interesse geschmeichelt füllt und will helfen. MentorInnen sind Menschen, die meist in andere sehen, was man selbst als kritisch eher empfinden würde. Sie zeigen was du kannst, motivieren dich und reden dich hoch. Sie bauen Selbstvertrauen auf und zeigen dir wie du dich für eine Position bewerben solltest. Zusätzlich, sind solche Menschen meist in höheren Positionen. Das heißt sie können dich wenn möglich auch in ihren Netzwerken vermitteln.
  11. Ist immer noch schwierig? Dann hast du vielleicht eine Geschäftsidee. Setze sie um! Kreiere selber Jobs! Du musst nicht als Business Developer geboren sein um diesem Weg einen Versuch zu geben. Ich wusste gar nicht vor der Gründung von Younited Cultures, wie man Unternehmerin wird oder ob ich das Zeug dafür hätte. Es gibt aber viele Startup Programme und Förderungen um es herauszufinden. Du kannst gleich bei Impact Hub Vienna nachfragen. Sie haben die Expertise. Oder du schreibst mich an und ich helfe dir gerne mehr Klarheit für deinen Karrierenweg zu finden.
  12. Xing und LinkedIn. Ein drittel der Bevölkerung kommt durch Weiterempfehlungen zu einem Job (Die Presse,2012). Daher ist es wichtig, dass du dich sichtbar machst und dich mit vielen vernetzt. Oh, und wenn du noch keinen Xing und LinkedIn Profil hast, dann tue es jetzt! Es erhöht die Chancen von Unternehmen gefunden zu werden. Der Vorteil ist auch, dass wenn du schon einen Kontakt bei einer Veranstaltung gemacht hast, du kannst ihn/sie dort finden und dich mit der Person verlinken. Und noch mehr. Du kannst eben ihre Kontakte sehen und schauen ob für dich jemand relevant ist. Du bittest dann um eine Verknüpfung und so wächst deine Kontaktliste und dein Netzwerk weiter!

Ich habe oft mit  StudentInnen und junge Mentees gesprochen und sie klagen alle, dass sie in der Uni auf die Realitäten und Entwicklungen des Arbeitsmarkts nicht aufmerksam gemacht werden.  Was müsste man bereits in der Uni machen? Sich vernetzen, sich ehrenamtlich engagieren (meist sammelt man dort sehr viel Arbeitserfahrung), Mentoren ansuchen. Jetzt und sofort. Sonst sind deine Chancen auf einen schnellen Einstieg in den Arbeitsmarkt geringer als die anderen, die es bereits schon tun.

Willst du mehr darüber lesen was die Erfolgsfaktoren auf den Arbeitsmarkt für Migrantinnen sind? Lese meine Projektarbeit, die ich in Rahmen meines MBA Abschlusses für Sustainable Development & Management geschrieben habe. Diese ist nur in English verfügbar. Allerdings empfehlenswert.

 

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