Ich bin weder ein Expat, noch ein internationaler Mensch. Ich bin Migrantin.

Migrantin von Beruf. Yep, so sehe ich mich. Und das meine ich im positiven Sinne. Nur weil dem Wort Migrant so ein negatives Image gegeben wurde, heißt es nicht, dass es etwas Gutes nicht sein kann. Die Medien haben uns so oft und so viel und konsequent aus einer falschen Perspektive gezeigt, dass es nicht mehr vorstellbar sein kann, dass dieses Wort auch eine positive Bezeichnung haben kann.

Manche sagen, ich soll dieses Wort vermeiden. Wenn ich in einer Panel-Diskussion bin oder wenn ich irgendwo zum Thema Migration eingeladen bin, wird das Wort „internationale Menschen“, damit man politisch korrekt bleiben kann, verwendet bzw. damit man jemanden mit dem Wort „Migrant“, nicht beleidigen soll. Das Wort „Migrant“ ist eigentlich eine Bezeichnung für Menschen, die von einem Land in ein anderes aus beruflichen oder familiären Gründen zuwandern. Mittlerweile sind jetzt auch Flüchtlinge als Migranten bezeichnet. Es gibt kein Unterschied mehr. Flüchtlinge sind übrigens nicht Migranten. Sie sind Menschen, die aus Notgründen- Krieg, politische Verfolgung, ihrem Land entfliehen müssen weil sonst ihr Leben in Gefahr ist. Die Tatsache, dass sie nicht freiwillig aus ihrem eigenen Land auswandern, macht sie eben zu “Nicht-migranten”. Sie müssen vor der Gefahr des Todes flüchten.

Diese Menschen sollen als Flüchtlinge bezeichnet werden. Dieses Wort ist nicht so negativ belastet als das Wort Migrant. Und bis wir es nicht geschafft haben, dem Wort Migrant einen „Facelift“ zu geben, sollen Flüchtlinge ihr Recht auf eine neutrale und diskriminierungsfreie Bezeichnung haben.

Also, ich bin Migrantin. Und ich will nicht unter der Kategorie internationale Menschen hinein. Wieso? Na weil eben Länder wie Rumänien, Polen, Türkei, Serbien usw. in dieser Kategorie in der Wahrnehmung der Menschen gar nicht Platz hat. Wenn man an internationale Menschen denkt, dann sind diese eher Franzosen, Deutsche, Italiener, Spanier, Amerikaner, Kanadier, Holländer, also eher Menschen aus reichen Länder betrachtet, die hier kommen um zur Wirtschaft beizutragen. Wir, aus den Ostländern, Balkanländer und armen Länder sind diejenigen, die als Migranten wahrgenommen werden und oft leider als „Plünderer“ des Sozialsystems empfunden. Statistiken zeigen, dass Migranten eher zum Sozialsystem beitragen, aber wer will diese Info schon wahrnehmen, oder? Nicht die FPÖ-Wähler auf jeden Fall. Und darunter sind leider eigentlich viele Migranten Arbeiter.

Zurück zu den Bezeichnungen aber. Wer hat überhaupt mal an das Wort Expat gedacht und dabei an einen Rumäne sofort gedacht? Ja, traurig aber wahr. Obwohl sehr viele Rumäne als Expat nach Österreich kommen, ( Expat wird in der Wirtschaft eine Fachkraft genannt, die von dem international tätigen Unternehmen, bei dem sie beschäftigt ist, vorübergehend – meist für ein bis drei Jahre – an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird- Wikipedia) werden sie eher als Migranten betrachtet. Es gibt so viele Rumäne, die ich kenne, die großartige und talentierte Menschen sind…Es wäre echt unmöglich sie nicht als Bereicherung zu sehen. Leider ist aber ihr Image als solche nicht sichtbar gemacht und daher auch nicht von der Gesellschaft wahrgenommen. Würden die Zeitungen ein bisschen mehr Rücksicht auf die Art der Berichterstattung nehmen und die Nationalität bei Delikten nicht mehr hinzufügen, würden Migranten nicht mehr so negativ auffallen. Wusstest du, dass Deutschen eigentlich die kriminellste Gruppe in Österreich ist? Liest du aber so oft darüber? Ist dir das in der Wahrnehmung bewusst? Nein. Es ist viel interessanter wenn es über ein Rumäne oder ein Pole geschrieben wird. Verstehe mich auch nicht falsch. Ich will nicht damit die Deutschen schlecht reden. Ich will nur die selektive Art der Berichterstattung und die Beeinflussung der Gesellschaft gegen gewisse Gruppen von Migranten erläutern.

Mein Mann ist halb Kanadier, halb Holländer. Er ist also sofort ein internationaler oder ein Expat. Ich bin aus Rumänien. Na? Migrantin, oder? Schon an das Wort Migrant gedacht? Gib es zu 🙂

Ich bin aber der Meinung, dass das Wort Migrant einfach missbraucht wurde. Und es ist Zeit, dass wir das ändern. Daher will ich genau als Migrantin bezeichnet werden. Denn so können viele verstehen, dass Migranten auch, genauso wie internationale Menschen oder Expats, eine Bereicherung und ein Vorbild für das Land Österreich sein kann.

Wenn ich die Gelegenheit über Younited Cultures zu sprechen habe, dann beginne ich damit: “Hallo. Mein Name ist Andra Slaats, ich komme aus Rumänien und ich bin Migrantin.” – damit eröffne ich den Dialog zu einer positiveren Wahrnehmung der Menschen mit Migrationshintergrund. Denn ich gebe mich als Beispiel einer erfolgreichen Integration. Und so sollten mehr von uns machen. Wir sollen durch vorbildliche Beispiele das Wort „Migrant“ rebranden. Würde ich dieses Wort aus dem Vokabel abschaffen können, dann könnte ich mich selbstverständlich als einen internationalen Mensch betrachten und so würde ich auch wahrgenommen werden. Aber dieses Wort ist das meist verwendete Wort in den Medien. Schlag mal eine Boulevardzeitung auf oder schalte den Fernsehen ein und schaue die Nachrichten an. Dieses Wort geschieht nur in negatives Licht. Daher will ich, auch wenn ich nur 1 Person gerade bin, das Wort Migrant von der positiven Seite zeigen. Ja, ich bin vielleicht eine Person nur und denkst gerade ich kann keinen Unterschied machen, aber denk mal an das Zitat von Dalai Lama hier für eine Sekunde: „Wenn du denkst du wärst zu klein um einen Unterschied zu machen, dann versuche es mit einer Gelse im Schlafzimmer einzuschlafen“.

Ich bin Andra. Ich komme aus Rumänien. Ich bin Migrantin.

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